Email from Marc, not translated because his writing is too good.
Jeder Beruf ist als Klischeebild im kollektiven Gedächtnis verankert. Vor allem Medien wie das Fernsehen prägen diese Vorstellungen. Selbstverständlich ist jeder Anwalt reich, erfolgreich und arbeitet in einer global operierenden Kanzlei. Polizisten sind keine Beamte im Büro, sondern Draufgänger, die auch mal Gesetze biegen müssen um die Bösen zu schnappen. Und Fotografen haben alle mindestens eine Hasselblad (pro Hand), arbeiten in einem riesigen Loft-Studio, rufen immerzu „Ja! Sexy! So ist’s gut! Den Kopf höher! Ja! JA! SEHR SCHÖN!”, fotografieren ausschließlich Modestrecken vor weißer Leinwand, tragen vornehmlich schwarze Designerkleidung und haben weibliche Assistenten. Das sind einfach Vorstellungen, die die meisten haben, weil sie es anders nicht kennen. So weit ich weiß fielen bisher auch alle Fotografen bei Heidi Klum in die Kategorie.
Es gibt mindestens genausoviele kommerziell arbeitende, weibliche Fotogafen bzw. Fotografinnen wie Fotografen, aber das was in den Medien so genannt wird sind zumeist männliche Namen. Andreas Gursky, Wolfgang Tillmans, usw. (Die immerzu genannten Nan Goldin und Cindy Sherman fallen dabei eher in die Kategorie Künstler als in Fotografie. So unfair das auch ist.)
Und bei deinen Kunden kommt wohl vor allem das übermäßig ausgeprägte Ego der etablierten Fotografen zu tragen. Wenn man einen Tag bei HSL verbringt spürt man das deutlich. Schmierige Endvierziger in Audi TT und BMW Z8 oder Chayenne und Landrover fahren selbstgefällig vor und meinen alles drehe sich um sie. Ich erinnere mich da gern an einen Herren aus Wuppertal zurück, dem ich versäumt habe die Tür zum Labor aufzuhalten. Danach durfte ich mir aber erstmal anhören was für ein flegelhaftes Benehmen ich so an den Tag lege. Damit möchte ich keinesfalls sagen, daß alle erfolgreichen (?) Fotografen sich so verhalten, aber es genügen ja schon eine handvoll, denn die sind schließlich laut genug. Die verkaufen in erster Linie sich selbst, erst danach kommen die Fotos. Das bleibt dann beim Kunden hängen. Als Konsequenz erwartet er dann bei den Schlagworten jung + Fotograf einen Anfang 30er, männl. mit schwarzen Klamotten und schwarzer Hornbrille.
—-
Der Autor dieser eMail ist männl., noch unter 30 und trägt heute Abend ausnahmsweise mal viel schwarz.
Marc
P.S.: Ist Grau das neue Schwarz?

